Pippo Pollina - Pressestimmen
Nürtingen - Wenn ein Publikum verzaubert werden soll, sind David Copperfield & Co. die beste Adresse. Dass das aber auch ganz anders geht, demonstrierte die Buchhandlung Im Roten Haus am Donnerstagabend mit einem Konzert des italienischen Songpoeten Pippo Pollina. Der Künstler präsentierte in der Kreuzkirche ein vielseitiges musikalisch-lyrisches Repertoire, bestehend aus eigenen Kompositionen von der zarten Ballade über die Liebe bis hin zum rockigen Protestsong. Dabei kamen abwechslungsweise ein Konzertflügel, eine Gitarre und ein Tamburin zum Einsatz, und nicht zuletzt auch die kaum beschreibbare Komponente: die unglaublich charismatische Ausstrahlung des Liedermachers, mit der er das Publikum mühelos um den Finger wickelte. Zu Beginn der Veranstaltung begrüßten Heike Pflüger und Markus Schneider, die Inhaber der Buchhandlung, die Anwesenden in der komplett ausverkauften Kreuzkirche und versprachen einen Abend mit einem unnachahmlichen Musiker, Dichter und engagierten Mitmenschen. Dass diese Umschreibung nicht treffender hätte sein können, bewies Pippo Pollina innerhalb der nächsten drei Stunden. Zur Einstimmung gab es wunderschöne Balladen am Konzertflügel auf italienisch. Und auch wenn man des Italienischen nicht mächtig war, verlor das Stück kein bisschen an Wirkung: Pollina bahnte sich mit weicher Stimme und harmonischen Melodien einen direkten Weg ins Herz der Zuschauer. Mit dem darauffolgenden Stück, für das Pollina zur Gitarre griff, heizte er hingegen die Stimmung im Raum durch lebhafte Akkorde im Flamenco-Stil und mit klarer, starker Stimme kräftig an. Nach diesem gelungenen Einstieg verkündete Pollina, dass der Abend ein Konzept habe, genannt "à la carte". Und dieses dürfte man ruhig wörtlich nehmen: so wie man im Restaurant von der Karte bestellen können, so dürfe man sich hier von den auf den Sitzen befindlichen Listen Songs wünschen. Die Heiterkeit im Zuschauerraum wurde mit jedem Wunsch zusehends größer, da Pollina es sich nicht nehmen ließ, mit jedem, der aufstand, zuerst einmal ein Schwätzchen zu halten. So wurde etwa Elke aus Rottweil darauf aufmerksam gemacht, dass das von ihr gewünschte Lied üblicherweise von einer ganzen Sängertruppe zu Gehör gebracht werde, und kurzerhand zum Mitsingen eingeladen. Zur Freude Pollinas - und des Publikums- war Elke aus Rottweil musikalisch durchaus talentiert, was Pollina zu der Bemerkung veranlasste, es handle sich in Wirklichkeit um eine eingeschleuste Sopranistin aus der Scala di Milano. Interessant waren auch die unterschiedlichen Anekdoten des Musikers aus seinem Leben, wie ein Auftritt mit der Band aus längst vergangener Zeit auf einem Fest, das erst in der Spielpause, durch Ankündigung der Tombola, in Fahrt kam. Oder die Begegnung Pollinas mit Konstantin Wecker, aus der ein Song resultierte, den Pollina nicht nur mit eigener Stimme, sondern stellenweise auch, zum Amüsement des Publikums, als Wecker-Imitator zum Besten gab. Aber auch die ernsthafte Seite des Musikers kam eindrucksvoll zum Vorschein. Mit einem Stück über einen chilenischen Liedermacher, der Opfer des chilenischen Putsches geworden war, zeigte Pollina sein Engagement in gesellschaftlich- politischer und auch einfach menschlicher Hinsicht. Und ein Lied über die Bedeutung und Wichtigkeit von Utopien setzte philospohische Akzente. Wobei das zeitweilige Switchen zwischen italienischer, deutscher und französischer Sprache Pollinas weltoffenen Geist verdeutlichte. Absolut verblüffend und fast schon verwirrend war der Einsatz eines Tamburins, das Pippo Pollina, das Instrument unmittelbar vor das Mikrofon haltend, mit flinken Fingern so rasant und forsch bearbeitete, dass der Eindruck entstand, hinter den Kulissen müsse ein Schlagzeuger sitzen. Als Pollina gegen Ende der Veranstaltung schließlich die Hymne "Volare" anstimmte, musste er das Publikum nicht einmal mehr zum Mitsingen animieren: der komplette Raum schmetterte voller Inbrunst mit. Ein Ausnahmekünstler, der die Menschen zum Lachen, Singen, Nachdenken und Träumen bringt, so konnte man Pippo Pollina in der Kreuzkirche erleben. von Susanne Römer Zurück |